Verwaltungsgebäude Hartmann-Werke
Bereits im Jahr 1837 gegründet, erfolgten 1842 – 1845 durch Unternehmenserweiterungen zahlreiche Umsiedlungen und Neubauten im Chemnitzer Stadtgebiet. Ab 1848 wurden im Unternehmen Dampflokomotiven gebaut. In ihren Glanzzeiten bildete Hartmanns Fabrik in Chemnitz mit ihren vielen Hallen und Schornsteinen quasi eine Stadt in der Stadt. In einer eigens gebauten Werkhalle konnten bis zu 36 Lokomotiven gleichzeitig montiert werden. Insgesamt sollten es im Laufe der Jahre 4699 Lokomotiven werden.
1896 wurde mit dem Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes begonnen, das noch heute das Chemnitzer Stadtbild prägt. Die Fassade schmücken Symbole des Produktionsprofils wie Fliehkraftregler, ein drehgeflügeltes Rad, Spindel und Zahnrad. Das Portal bekrönen links und rechts allegorische Figuren von Bruno Ziegler, der Mitglied im Deutschen Werkbund war. Arbeiten von Ziegler finden sich auch vor dem Chemnitzer Stadtbad, am Deutsche-Bank-Gebäude am Falkeplatz sowie am Georgius-Agricola-Gymnasium am Chemnitzer Park der OdF.
Die Auswirkungen der veränderten Wirtschaftslage ließen das Unternehmen Mitte der 1920er Jahre zunehmend in Schwierigkeiten geraten. Im Jahr 1930 ging die aus der Fa. Richard Hartmann hervorgegangene Sächsische Maschinenfabrik Chemnitz in Konkurs, Unternehmensteile gingen in andere Chemnitzer Firmen auf und haben teilweise bis in die Gegenwart Bestand.
In den letzten Jahren wurde das Gebäude umfangreich saniert und gilt als Blickfang an der Hartmannstraße. Es dient heute als Sitz der Polizeidirektion Chemnitz.
Richard Hartmann ist wegen seiner Verdienste in der Stadt und der Region allgegenwärtig. Im November 1809 wird er im Elsass geboren. Er erlernt den Beruf eines Zeugschmiedes. Ende der 1820er Jahre geht er auf die Wanderschaft und erreicht nach vier Jahren 1832 die sächsische Stadt Chemnitz. Der Brauch der Wanderschaft ist bereits seit dem Spätmittelalter eine Voraussetzung zur Erlangung eines Meistertitels in den Zünften. In Chemnitz arbeitet Hartmann für verschiedene Fabrikanten, unter anderem Karl Gottlieb Haubold, der als Vater des Chemnitzer Maschinenbaus gilt. Hier macht der rührige Geselle seinen Meister. 1837 erhält er das Bürgerrecht der Stadt zugesprochen. Ein Glücksfall für Chemnitz, wie sich noch herausstellen sollte.
Bald darauf gründet Richard Hartmann ein eigenes Unternehmen, dem weitere folgten. Als Spinnmaschinenproduzent macht er sich einen großen Namen. Kurze Zeit später erweitert Hartmann die Produktpalette und produziert die erste Dampfmaschine. Das ist ein entscheidender Schritt zur Entwicklung und Montage der ersten deutschen Dampflokomotive im Jahr 1848. Endlich konnte man in Deutschland den englischen Lokomotiven ein ebenbürtiges Schienenfahrzeug entgegensetzen. Die königlich-sächsischen Staatseisenbahnen kaufen ausschließlich bei Hartmann auch der weltweite Export floriert. Hartmann und seine Unternehmen bekommen zahlreiche Preise, dieses in Zeugnis für das Engagement und den Erfinderreichtum des Industriellen.
Doch auf seinen Erfolgen ruht Hartmann sich nicht aus. Er entwickelt und erweitert das Angebot. Es kommen Standorte zur Herstellung von Turbinen, Mühleneinrichtungen, Bergwerkstechnik und Bohrapparaten hinzu. Um 1857 zählen sämtliche Betriebe unter Hartmann etwa 1500 Beschäftigte. Reichlich zehn Jahre später werden seine zahlreichen Unternehmen in der Sächsischen Maschinenfabrik AG zusammengefasst. Der erfolgreiche Fabrikant ist von Beginn an Vorsitzender des Aufsichtsrates des nunmehr größten Unternehmens in Sachsen, in dem bereits 2700 Menschen ihren Lohn verdienen. Seine Positionen behält Hartmann bis zu seinem Tod im Jahre 1878 inne. Im selben Jahr verlässt die 1000. Dampflokomotive die Montagehallen.
Die Hartmann-Werke werden in seinem Sinne weitergeführt. Es folgen zahlreiche Erweiterungen. Die Verwaltung wächst mit. Es ist an der Zeit, einen Neubau zu errichten. 1896 beginnen unter der Regie von Richard Hartmanns Sohn Gustav die Bauarbeiten an der Ecke Hartmannstraße-Promenadenstraße. Die Einweihung des Neubaus erfolgt im Jahr darauf zum Firmenjubiläum der sächsischen Maschinenfabrik AG. Imposant präsentiert sich der mächtige Eckbau. Es ist ein Aushängeschild für ein Unternehmen von Weltrang. 1898 wird das Unternehmen im Gedenken an seinen Gründer umbenannt in sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann Aktiengesellschaft.
In den Jahren des Ersten Weltkrieges werden in den Werken auch Rüstungsgüter produziert. Die Expansion der Hartmann-Werke, auch über die Landesgrenzen hinaus, hält bis Mitte der 1920er Jahre an. 1922, 1923 planen die Architekten Röhmler und Mehnert einen Erweiterungsbau entlang der Hartmannstraße, der dem Eckgebäude angepasst sein soll und auch umgesetzt wird. Der Komplex erhält unter anderem ein neues Eingangsportal mit zwei Skulpturengruppen des Chemnitzer Bildhauers Bruno Ziegler. Das Architekturbüro Rümmler und Mehnert ist 1929 auch für die Pläne des Luxurpalastes an der Hartmannstraße statt Einwärts verantwortlich. Die Nachwirkungen des Ersten Weltkrieges verschonen die Hartmannwerke nicht. Vor allem Aufträge aus dem Ausland bleiben zunehmend aus. Deswegen werden einige Betriebsteile eingestellt oder abgestoßen. 1930 wird das Gesamtunternehmen liquidiert, ein frühes Opfer der Weltwirtschaftskrise.
Die Stadt Chemnitz erwirbt das Hartmannsche Grundstück für die damals gewaltige Summe von 800.000 Reichsmark und lässt die hinter dem Verwaltungsgebäude liegenden Fabrikhallen abreißen. Auf den nun freien Flächen werden Wohngebäude errichtet, dahinter wird der Schlossteichpark erweitert. Der Gebäudekomplex wird 1931 zur städtischen Polizeiwache umgebaut und ist bereits ein Jahr später Sitz des Chemnitzer Polizeipräsidiums. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wird im Innenhof des Präsidiums ein sogenanntes Schutzlager eingerichtet. Dort werden nun Gegner des Regimes inhaftiert. Zum Ende des Krieges besetzen Antifaschisten das Präsidium. Das Gebäude wird danach weiter als Sitz der Polizei genutzt. 1852 wird es umbenannt in Volkspolizeikreisamt und später zur VP-Bezirksbehörde des Bezirkes Karl-Marx-Stadt erhoben.
Nach der Wende gehen die Gebäude in das Eigentum des Freistaates Sachsen über. Der Komplex bleibt weiterhin Zentrale der Polizei. Sein neuer Name ist Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Es ist an der Zeit für einen Umbau und Sanierungsmaßnahmen unter denkmalspezifischen Gesichtspunkten. Die Grundmauern werden trockengelegt, die Treppenhäuser und Sanitäranlagen einer umfangreichen Sanierung unterzogen. Die Fassaden erfahren eine Verjüngungskur, die Fenster werden ausgetauscht mit Blick auf das historische Gesamtbild. Die ehemaligen Gefangenenunterkünfte im Innenhof werden abgerissen und am Westgiebel des Komplexes wird ein Erweiterungsbau errichtet. Nunmehr präsentiert sich der monumentale Eckbau an der Hartmannstraße 24 als gelungenes Aushängeschild der Chemnitzer Industriearchitektur und als Zeugnis des Wirkens eines großen Bürgers der Stadt.
09113 Chemnitz
Hartmannstraße 24