schönherr.fabrik
In diesem historischen Komplex gehören Leben und Arbeiten zusammen. Täglich finden hier Veranstaltungen, Konzerte, Kurse, Seminare und Ausstellungen statt. Die schönherr.fabrik bietet mit ihrer sehr guten Erreichbarkeit, dem einzigartigen Ambiente und ihrem historischen Flair eine ideale Arbeits- und Wohlfühlumgebung.
Das Gelände der schönherr.fabrik zählt zu den bedeutendsten Chemnitzer Industriedenkmälern des 19. Jahrhunderts. Das ca. 83.000 m² große Gelände stellt eine einzigartige Ansammlung von Fabrikgebäuden aus über 200 Jahren dar und ist heute eines der erfolgreichsten Revitalisierungsobjekte von Industriegebäuden in Chemnitz.
In der einstigen Webstuhlfabrik sind heute im industriellen Teil neben Maschinenbauunternehmen, Gießerei, der Webstuhlfertigung und metallverarbeitenden Unternehmen auch Firmen aus Handel und Dienstleistung tätig.
Die Schönherrfabrik war einst die zweitgrößte Industrieanlage von Chemnitz. Sie liegt an der Schönherrstraße zwischen dem Küchwaldpark und dem Fluss Chemnitz und präsentiert sich auch heute voller Leben. Produzierendes Gewerbe, Läden, Kunst und Gastronomie teilen sich über 80.000 Quadratmeter Fläche. Zu erleben ist eine bunte Mischung aus Tradition und Moderne.
In den letzten 20 Jahren wurden an diesem traditionsreichen Standort zehn denkmalgeschützte Fabrikbauten in mehreren Bauabschnitten umgebaut und saniert. So konnten sich bisher 130 Gewerbemieter mit über 1.000 Beschäftigten ansiedeln.
Louis Ferdinand Schönherr wird im Februar 1817 im vogtländischen Plauen geboren. Er wächst in einer kinderreichen Familie auf und absolviert eine Ausbildung zum Weber. 1829 beginnt er in Chemnitz zu arbeiten, als Drehjunge in der Hauboldschen Maschinenfabrik. Sein Wissensdrang führt den 16-Jährigen 1833 nach Dresden. Seine Brüder bezahlen ihm dort eine polytechnische Ausbildung. Bald beginnt der junge Schönherr zu tüfteln, an Vorrichtungen, die das mühevolle und zeitaufwendige Weben von Hand erleichtern sollen. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm arbeitet er in einer eigenen Werkstatt in Niederschlema an Neuerungen. Um die Entwicklungen auf diesem Gebiet zu studieren, absolviert er ein Praktikum in England. In den Textilzentren Leeds und Manchester sammelt er Erfahrungen und Wissen. Nach seiner Rückkehr arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm an der Konstruktion eines neuen mechanischen Webstuhls für die Tuchproduktion.
Im selben Jahr heiratet der 23-Jährige seine große Liebe Christiane. Im Verlauf ihrer glücklichen Ehe bekommen sie neun Kinder – sieben Jungen und zwei Mädchen. In den 1840er Jahren arbeitet Schönherr zwischenzeitlich im Eisenwerk Erla bei Schwarzenberg. Doch es zieht ihn wieder zurück nach Chemnitz. Hier gründet er 1851 seine erste eigene Firma, in der von ihm entwickelte Webstühle gefertigt werden. Bei Schönherr kaufen vorwiegend deutsche Fabrikanten, die nun endlich eine Alternative zu den teuren britischen Importwebstühlen haben.
Drei Jahre später zieht Schönherr in ein Gebäude auf dem Areal um, das heute seinen Namen trägt. Diese Produktionsstätte hat ihre Anfänge schon 1799 unter der Regie von Chemnitzer Kaufleuten, die nach englischem Vorbild eine der ersten deutschen Spinnereifabriken aufbauten. Aus der bereits 1825 von Karl Gottlieb Haubold an diesem Standort gegründeten Maschinenbauwerkstatt ging 1836 die Sächsische Maschinenbaukompanie hervor. Diese erste sächsische Aktiengesellschaft ging jedoch 1852 bankrott und wurde im darauffolgenden Jahr liquidiert.
1854 pachteten die Webstuhlproduzenten Schönherr und Seidler die Fabrikanlage. Die Geschäfte von Louis Ferdinand Schönherr, der ab 1856 alleiniger Inhaber der Webstuhlfabrik ist, laufen gut. So gut, dass er 1862 das gesamte Gelände aufkauft. Er kündigt allen Mietern, reißt Gebäude ab und errichtet neue nach seinen Vorstellungen. Außerdem lässt er breite Zufahrtsstraßen zum Standort anlegen. Die Geschäfte blühen. Aus den Erträgen werden unter anderem gegenüber dem Fabrikgelände ein stattlicher Park angelegt und an der Salzstraße die Schönherrschen Villen errichtet.
1880 ist Louis Schönherr 63 Jahre alt und Aufsichtsratsvorsitzender der Sächsischen Webstuhl AG. Im gleichen Jahr zieht er sich aus dem Geschäftsleben zurück. Der als Erfinder des deutschen Webstuhls geltende Fabrikant stirbt 1911 im Alter von 93 Jahren.
Auf dem Gelände wird in den folgenden Jahren ständig gebaut und umgebaut, wie zum Beispiel ein Uhrenturm vor dem Hauptgebäude, eine großzügige Ausstellungshalle für Webstühle, eine neue Schmiede, Packerei und Tischlerei. Der Sohn des Gründers, Paul Schönherr, führt die Geschäfte seines Vaters in dessen Sinne fort. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Chemnitzer Betrieben übersteht das Unternehmen die Weltwirtschaftskrise verhältnismäßig gut. Die Firma bringt Innovationen auf den Markt wie die 1932 vorgestellten Doppelteppichwebmaschinen. Damit steigt sie in Chemnitz zum zweitgrößten Arbeitgeber nach den Hartmann-Werken auf.
Während des Zweiten Weltkrieges wird die Produktion teils auf Rüstungsgüter umgestellt. Zum Kriegsende zerstören alliierte Bomber Teile der Anlagen und beschädigen andere schwer. Was noch intakt ist, lässt die sowjetische Kommandatur demontieren und als Reparationsleistungen ostwärts abtransportieren. Die Firma fängt wieder bei Null an. Zunächst repariert sie Maschinen aus anderen zerstörten Chemnitzer Betrieben. 1951 wird die Familie Schönherr enteignet, und das Unternehmen bekommt einen neuen Namen: VEB Webstuhlbau. Ende der 1970er Jahre wird der Betrieb dem VEB Kombinat Textima angegliedert. Im Webstuhlbau arbeiten jetzt 1700 Menschen. 1980 wird die tausendste Doppelteppichwebmaschine ausgeliefert.
Mit der Wende übernimmt die Treuhandanstalt den VEB Webstuhlbau und verkauft ihn an eine deutsch-schweizerische Unternehmensgruppe. Von den 1700 Beschäftigten werden 600 entlassen. Doch schon im selben Jahr scheitert das Vorhaben und die Firma wird in die Hände der Treuhand rücküberführt. 1994 beginnt mit einem neuen Besitzer und der engagierten Geschäftsführerin Bärbel Eckert eine grundlegende Sanierung. Denkmalspezifische Vorgaben werden von Anfang an berücksichtigt, in die Planung einbezogen und umgesetzt. An das Unternehmen Schönherrs anknüpfend wird die Schönherr Textilmaschinenbau GmbH gegründet. Zahlreiche weitere Firmen siedeln sich im hinteren Teil des Areals an. Im altehrwürdigen, geschichtsträchtigen Vorderbereich sind unterschiedlichste Einrichtungen von Dienstleistung, Kunst und Kultur, Gastronomie, Fitness oder Schulungen zu finden.
Diese ganzen unterschiedlichen Facetten machen die Schönherr-Fabrik zu dem, was sie nun ist: ein bunter, innovativer Treffpunkt zum Arbeiten und Erholen für zahlreiche Chemnitzerinnen und Chemnitzer. Louis Ferdinand Schönherr würde das wahrscheinlich gut gefallen.
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